Karsttopographische Merkmale im Heckengäu

Das Heckengäu ist als Teil der süddeutschen Schichtstufenlandschaft eine geologisch äußerst interessante Region. Durch die Absenkung des sich westlich angrenzenden Oberrheingrabens neigte sich die Grabenschulter gen Osten, wodurch verschiedene geologische Schichten an die Oberfläche traten. Im Bereich des Heckengäus ist dies der im triassischen Erdzeitalter entstandene Muschelkalk. Der an Fossilien angereicherte Kalkstein förderte die Entstehung der für das Heckengäu typischen Karstlandschaft mit Höhlen, Dolinen, Trockentälern und Quelltöpfen. Da das die Oberfläche erreichende Wasser schnell in Spalten und Kluften versickert und dann größtenteils unterirdisch abfließt – wobei es zur weiteren Verkarstung beiträgt – ist die Landschaft generell von Wassermangel betroffen.

Karstformen entstehen, indem mit Kohlensäure angereichertes Wasser das anfällige Kalkgestein auflöst, mit sich führt und an anderer Stelle – unter geänderten Temperatur- und Druckbedingungen – wieder absondert. So entstehen verschiedene Karsthohlräume im Untergrund, die im Laufe der Erdgeschichte regelrecht ausgespült wurden. Trockentäler wurden vor der Verkarstung der Landschaft von einem Fließgewässer geformt. Aufgrund sich verändernder Bedingungen, die die zunehmende Verkarstung der Landschaft fördern, versickern zunächst Teilabschnitte der Flüsse, bis schließlich der gesamte Flusslauf unterirdisch abfließt und das Tal austrocknet. In sogenannten Quelltöpfen tritt das Wasser dann wieder an die Oberfläche und fließt – auf beständigem Gesteinsuntergrund – als Oberflächengewässer weiter.

Die Verbreitung der Bodentypen hängt vom Relief ab: Während sich im geneigten Relief durch menschliche Nutzung und Bodenerosion die flachgründigen Rendzina-Kalksteinböden durchgesetzt haben, lassen sich in den Ebenen und Trockentalmulden lösshaltige Lehme und mächtige Lagen aus angeschwemmtem Bodenmaterial vorfinden. Somit wechseln sich Rendzina in den Höhenlagen mit fruchtbaren Bodentypen in den erosionsgeschützten Tieflagen ab. Letztere bieten hervorragende Voraussetzungen für die Landwirtschaft, da sie tiefgründig sind und viel Wasser und Nährstoffe speichern können.

Die Landschaft des Heckengäus entstand somit aus einer Kombination verschiedener Faktoren: Der durch die Neigung des Oberrheingrabenrandes an die Oberfläche getretene Muschelkalk förderte die Entstehung einer Karstlandschaft. Die abwechslungsreiche Topographie von Hügeln und Tälern führte dabei zu der Entstehung karger, schwer zu bewirtschaftender Böden in den Höhenlagen und fruchtbarer, lehm- und tonhaltiger Böden in den Tieflagen. Die Verbreitung der Böden bedingte größtenteils die Nutzungsart, welche zwischen Forstwirtschaft und Ackerbau abwechselt. Die intensive menschliche Nutzung intensivierte zusätzlich die vielfältigen geomorphologischen Prozesse.